Bauhausmuseum Dessau

Ein großes, rechteckiges Gefäß, abgestellt auf vier kräftigen Pfeilern im Dessauer Stadtpark: das neue Bauhausmuseum. Ein schwebender, strahlend weißer Pavillon, eine abstrakt wirkende konstruktiv-geometrische Gestalt. Der über 2.100m2 große Ausstellungsbereich, in dem die Schätze des „Kosmos Bauhaus“ gezeigt und erklärt werden, ist von der Umgebung vollkommen abgeschottet: Hier stehen die Geschichte und Werke des Bauhaus im Mittelpunkt des Geschehens. Die darunterliegenden Räume des Erdgeschosses öffnen sich hingegen großzügig zur umgebenden Stadtlandschaft und lassen den öffentlichen Raum weit in das Haus eindringen. Unter sich birgt das Gefäß des Ausstellungsraumes wie ein weit auskragendes Dach alle für den Museumsbetrieb notwendigen Nutzungen: die Besucher- und Veranstaltungsbereiche, die Räume der Verwaltung und der Logistik. 

Der Ausstellungsbereich hat keine Abfolge vordefinierter Räume. Vielmehr bietet er ähnlich einer großen Werkhalle die Möglichkeit, sowohl mit bewährten als auch vollkommen neuen Formen der Ausstellungsgestaltung zu experimentieren. Die große Halle erlaubt die Schaffung eines frei fließenden räumlichen Kontinuums: Die einzelnen in der Sammlung gezeigten Topoi erscheinen nicht als voneinander abgeschottete Themenfelder, ihre Inhalte verflechten und überlagern sich miteinander. Die technische Erschließung der Ausstellungshalle erfolgt über den zentralen Versorgungskern. Dabei wird der technische Charakter heutiger Ausstellungsräume nicht geleugnet: Die Leitungen der TGA liegen sichtbar in der Ebene der unverkleideten Stahlkonstruktion des Daches. Dessen rohe, industrielle Anmutung mag daran erinnern, dass das Bauhaus ein Ort der experimentellen Produktion, des Machens, des Konstruierens war.

Die funktionale Gliederung und formale Erscheinung des Gebäudes sind synonym mit dessen konstruktiver Struktur. Die Umfassungswände des Ausstellungsbereiches bilden vier raumhohe Stahlbetonträger, welche die Lasten der Stahlbetonunterzugsdecken über dem Erdgeschoss sowie die der Stahlkonstruktion des Daches aufnehmen und in die vier kegelförmigen Pfeiler einleiten. Das Dach lastet zusätzlich auf dem zentralen Versorgungskern aus Stahlbeton ab. Die Aussteifung erfolgt über die Umfassungswände des Treppenhauses sowie die eingespannten Pfeiler.


2014

Wettbewerb, nicht realisiert
in Zusammenarbeit mit Ingenieurbüro Hausladen (TGA Planung), BS.M (Brandschutzplanung)

Auslober: Bauhausstiftung Dessau
Leistungen: Wettbewerbsprojekt

Projektteam: Ferdinand Albrecht, Rolf Berninger, Alexander Fthenakis